Musikalische Erinnerungen

Erinnerungen Peter Kubik

Memories….., you are always on my mind….

In Erinnerungen schwelgen war heute mein seltenes und kostbares Tagesprogramm.

Als ich meine Musik-CDs erblickte, die ich trotz Digitalisierung noch immer besitze und die seit Jahren im Regal vor sich hin stauben – und weil das Frühstück duftend auf dem Tisch stand und etwas fehlte – hatte ich den Impuls, klassische Musik aufzulegen. Und zwar laut und über Boxen, so dass die Töne den ganzen Raum füllen. Aber nicht irgendeine Musik, sondern gelebte Erinnerungen. Süße Reminiszenzen an eine Zeit, als ich unglaublich viel tanzte und die Ballett-Tänzer des „New York City Ballets“ oder den Nachwuchs von der „School of American Ballet“ anhimmelte, denen ich jeden Morgen im Deli oder im Fahrstuhl begegnete. Die Tänzerinnen und Tänzer wirkten so zart und schüchtern und elfenhaft schön, dass es mir unerreichbar schien, jemals auch nur annähernd grazil durchs Leben zu schreiten. Es war die Zeit, als ich in New York meinen Traum lebte und am Lincoln Center for the Performing Arts in einem dieser typisch amerikanischen Cubicles meinen Schreibtisch hatte.

Mein Arbeitsplatz selbst war nicht glamourös, aber die Aussicht aus dem 72. Stockwerk: unbezahlbar! Und diese ultrabegabten Julliard School Eleven und die Künstler, sie alle waren großartig! Silvie Guilhem zum Beispiel oder Wynton Marsalis, Lauren Bacall, Isabella Rossellini, Harold Pinter, Keith Jarrett, ahhhh… was für eine tolle Zeit! Dank meines Jobs konnte ich mich mit zarten 25 Lenzen jeden Abend in einem 90 Dollar-Sitz dem puren Kulturgenuss hingeben, was für eine Fortüne!

Jedenfalls kramte ich ad hoc in meinem CD Regal ganz hinten, ja genau, dort wo der Staub ein bisschen länger liegt!  Zum Vorschein kam „Le modern dance“ von Peter Kubik, ein begnadeter Komponist und Ballettrepetitor, der heute in Belgien lebt. Wenn er wüsste, wie oft ich seinen Klängen in Stille und auch in der Bewegung nachspürte. Die CD ist vergriffen, aber hört mal hier…Exorciste…

Oder der Niederländer Nicolas Lens mit „Flamma Flamma, the fire requiem„, ein gewaltiges opernartiges Epos, dass ich einmal in einer Kirche von einem Ballettensemble vertanzt sah. Unbeschreiblich intensiv! Noch immer prägt mich dieses exzentrische Werk und nicht immer besitze ich die Nervenstärke, es aufzulegen, aber heute war so ein Tag.

Später dann Philip Glass mit Solo Piano (hier gespielt von Branca Parlic)… wundervoll. Und dann kam diese „One minute vacations“ CD hervor, die ich damals selbst gebrannt und in eine wunderhübsche schwarze Verpackung mit grellbunten Fischen darauf gehüllt hatte. One minute vacations, gibt’s das eigentlich noch? Oh ja hier, dating back to 2008! One minute vacations, das war damals, im Napster-Zeitalter, ein sehr schönes und innovatives Kreativ-Projekt vom „Stillen Amerikaner“: Mit Musik und Geräuschen eine Minute weg sein, abtauchen, in eine andere Welt hinein horchen. Die Idee dahinter war, wenn man so will, der Vorläufer von heutigen Meditations- und Entspannungsangeboten wie zum Beispiel dem zurzeit sehr beliebten „Focus at will„. Wobei es dort gerade um das „Weghören“ geht, das heisst, die Musik soll idealerweise kaum noch wahrzunehmen sein und vor allem das Unterbewusstsein ansprechen. Sehr entspannend bei der Arbeit.

Okay, genug geschwafelt und geschwelgt. Ich schließe mit dem Balanescu Quartet und einer Notiz an mich selbst:

Öfter machen. Forttragen lassen. Wieder tanzen.

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